Hummeln auf Lavendelblüten

Insektenfreundlicher Garten: So gestalten Sie natürliche Lebensräume

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Einem Bericht der Uni­ver­si­tät Syd­ney zufol­ge ist etwa ein Drit­tel der welt­weit ver­brei­te­ten Insek­ten­ar­ten vom Aus­ster­ben bedroht. Bei 41 Pro­zent der Arten sin­ken die Popu­la­tio­nen. Immer mehr Bür­gern wird bewusst, dass sie einen wert­vol­len Bei­trag zum Erhalt der Arten­viel­falt leis­ten kön­nen. Sie kön­nen dazu einen insek­ten­freund­li­chen Gar­ten gestal­ten, in dem die Tie­re einen Lebens­raum sowie aus­rei­chend Nah­rung fin­den. In die­sem Bei­trag erfah­ren Sie, wie Sie einen Insek­ten­gar­ten anle­gen und wel­che Pflan­zen sich dafür eig­nen.

Warum der Insektenschutz wichtig ist

Insek­ten über­neh­men in der Natur eine wich­ti­ge Rol­le. Längst nicht nur Bie­nen fun­gie­ren als Bestäu­ber für Pflan­zen und sind somit ent­schei­dend für eine erfolg­rei­che und ertrag­rei­che Land­wirt­schaft. Je nach Regi­on sind bis zu 25 Pro­zent der Agrar­pro­duk­ti­on von tie­ri­scher Bestäu­bung abhän­gig. Künst­li­che Bestäu­bungs­mög­lich­kei­ten sind heu­te noch nicht wirt­schaft­lich flä­chen­de­ckend einsetzbar.

Dane­ben sind Insek­ten eine wert­vol­le Nah­rungs­quel­le für ande­re Tie­re wie Vögel oder Igel. Gehen die Insek­ten­po­pu­la­tio­nen zurück, fin­den die­se nicht mehr genü­gend Nahrung.

Grafik Abhängigkeit der Agrarproduktion von tierischer Bestäubung
Pes­ti­zid­at­las 2022 Eimermacher/​Puchalla, CC-BY-4.0 / Hein­rich Böll Stiftung

Insektenfreundlicher Garten: 10 Tipps für Ihren Insektengarten

Mit einem insek­ten­freund­li­chen Gar­ten schaf­fen Sie die Grund­la­ge für mehr Arten­reich­tum in Ihrer Umge­bung und einen natür­li­chen Lebens­raum für die Tie­re. Doch wie kön­nen Sie Ihren Gar­ten insek­ten­freund­lich gestal­ten? Die fol­gen­den Tipps hel­fen Ihnen, Ihren Gar­ten opti­mal für die Tier­welt vorzubereiten.

Tipp #1: Auswahl insektenfreundlicher Stauden und Pflanzen

Wäh­len Sie insek­ten­freund­li­che Stau­den, die im Ide­al­fall das gan­ze Jahr über Nah­rung für die Tie­re lie­fern. Dabei kommt es dar­auf an, sich für die rich­ti­gen Sor­ten zu ent­schei­den, denn längst nicht alle Arten von Blü­ten bie­ten den Tie­ren Nah­rung. Soge­nann­te gefüll­te Blü­ten sind zwar schön anzu­se­hen, jedoch für Insek­ten auf Nah­rungs­su­che nicht oder nur schwer zugäng­lich. Dies ist bei­spiels­wei­se bei Chry­san­the­men, Pfingst­ro­sen, Rosen, Dah­li­en oder Astern der Fall. Ent­schei­den Sie sich des­halb am bes­ten für hei­mi­sche Stau­den mit unge­füll­ten Blü­ten oder auch für nicht­hei­mi­sche Pflan­zen, die den Tie­ren Nah­rung bieten.

Unter ande­rem eig­nen sich die fol­gen­den insek­ten­freund­li­chen Pflan­zen und Sträu­cher:

Pflan­zen­art Bei­spie­le
Dau­er­haf­te Stauden
  • Bein­well
  • Fet­te Henne
  • Fär­ber­ka­mil­le
  • Glo­cken­blu­me
  • Herbst­as­ter
  • Kar­täu­ser­nel­ke
  • Mar­ge­ri­ten
  • Son­nen­hut
  • Weg­war­te
  • Sporn­blu­me
Zwei­jäh­ri­ge insek­ten­freund­li­che Pflanzen
  • Ake­lei
  • Königs­ker­ze
  • Stock­ro­se
  • Ver­giss­mein­nicht
  • Wil­de Karde
  • Nacht­ker­ze
Ein­jäh­ri­ge Blumen
  • Korn­blu­me
  • Rin­gel­blu­me, Zinnie
  • Bie­nen­freund
  • Cos­mea
  • Son­nen­blu­me
Blü­ten­sträu­cher
  • Blut­jo­han­nis­bee­re
  • Holun­der
  • Kor­nel­kir­sche
  • Wei­ge­lie
  • Fel­sen­bir­ne
  • Essig­ro­se

Tipp #2: Bodendecker als insektenfreundliche Pflanzen

Boden­de­cker sind für Gar­ten­freun­de ohne­hin prak­tisch, denn sie hal­ten das Unkraut in Schach und sehen das gan­ze Jahr über deko­ra­tiv aus. Zugleich sind sie pfle­ge­leicht, meist nicht anspruchs­voll und auch für schat­ti­ge oder halb­schat­ti­ge Stand­or­te geeig­net. Insek­ten pro­fi­tie­ren von einem reich­hal­ti­gen Nah­rungs­an­ge­bot und einer Erwei­te­rung ihres natür­li­chen Lebensraums.

Geeig­net sind für einen insek­ten­freund­li­chen Gar­ten unter ande­rem die­se Boden­de­cker:

  • Gold­erd­bee­re
  • Sand-Thy­mi­an
  • Elfen­blu­me
  • Frau­en­man­tel
  • Storch­schna­bel
  • Wald­hain­sim­se
  • Mau­er­pfef­fer
  • Immer­grün

Tipp #3: Organische Dünger

Pes­ti­zi­de ent­zie­hen Insek­ten die Lebens­grund­la­ge und töten sie. Sie stel­len einen tie­fen Ein­griff in das natür­li­che Gleich­ge­wicht dar. Ver­zich­ten Sie des­halb in Ihrem insek­ten­freund­li­chen Gar­ten kom­plett auf che­mi­sche Pflan­zen­schutz­mit­tel oder Dün­ge­mit­tel. Mit­un­ter errei­chen Sie den­sel­ben Effekt, indem Sie natür­li­che Dün­ge­mit­tel wie etwa Pflan­zen­jau­chen, eine Gründün­gung oder Kom­post ein­brin­gen. Die­se sind für die Pflan­zen- und Tier­welt deut­lich bes­ser ver­träg­lich und för­dern mit wert­vol­len Nähr­stof­fen sogar das natür­li­che Bodenleben.

Tipp #4: Totholz im insektenfreundlichen Garten

Je auf­ge­räum­ter ein Gar­ten ist, des­to ein­ge­eng­ter sind die Lebens­räu­me für Insek­ten. Dabei bie­tet gera­de Tot­holz eine ent­schei­den­de Grund­la­ge als Nah­rungs­quel­le und Unter­schlupf. Wich­tig ist dies neben Wild­bie­nen und Wes­pen auch für holz­fres­sen­de Käfer, Igel, Sing­vö­gel, Erd­krö­ten, Blind­schlei­chen oder Spitz­mäu­se. Zudem bil­den sich an Tot­holz häu­fig Baum­schwäm­me, die wie­der­um Lebens­grund­la­ge für eini­ge Insek­ten­ar­ten darstellen.

Tipp #5: Laubhaufen als Winterquartier

Laub­hau­fen bil­den für Igel die Basis für ein geschütz­tes Win­ter­quar­tier. Dane­ben über­win­tern hier vie­le Insek­ten. Tür­men Sie des­halb im insek­ten­freund­li­chen Gar­ten das Laub zu gro­ßen Hau­fen auf. Die Insek­ten bau­en die­se schließ­lich ab und es ent­steht wert­vol­ler Humus, mit dem Sie wie­der­um Ihren Gar­ten unterstützen.

Tipp #6: Licht aus

Strom­spa­ren­de LED-Tech­nik, Gar­ten­leuch­ten mit Solar – seit die­se Tech­no­lo­gien erschwing­lich gewor­den sind, häuft sich in Gär­ten eine Viel­zahl an Leuch­ten und Licht­quel­len. Das Pro­blem ist nur: Die­se stö­ren den Tag- und Nacht­rhyth­mus von Insek­ten und ande­ren Tie­ren. Leuch­ten die Lam­pen die gan­ze Nacht lang, kom­men die Tie­re nicht zur Ruhe und ver­en­den frü­her oder spä­ter an der anhal­ten­den Erschöp­fung.

Natür­lich spricht nichts gegen eine schö­ne Gar­ten­be­leuch­tung. Sor­gen Sie jedoch am bes­ten dafür, dass die­se nach der Däm­me­rung nur kurz brennt und zu spä­te­rer Stun­de voll­stän­dig abge­schal­tet wird. Oder redu­zie­ren Sie die Men­ge an Leuch­ten, sodass Ihr Gar­ten für die Tie­re auch Berei­che in völ­li­ger Dun­kel­heit bietet.

Tipp #7: Garten mit wilden Ecken insektenfreundlich gestalten

Einen insek­ten­freund­li­chen Gar­ten zu gestal­ten, bedeu­tet nicht, voll­stän­dig auf Ord­nung zu ver­zich­ten. Rich­ten Sie doch statt­des­sen eine wil­de Ecke ein. Hier kann sich die Natur in aller Ruhe aus­brei­ten, wäh­rend Sie den Rest des Gar­tens nach Ihren Vor­stel­lun­gen gestal­ten. Wenn Sie die­se Ideen ver­fol­gen, wird sich ihr Insek­ten­gar­ten schnell mit Leben fül­len:

  • Ver­zich­ten Sie dar­auf, den Rasen regel­mä­ßig zu mähen, um den Lebens­raum der Tie­re nicht zu stören.
  • Las­sen Sie Wild­kräu­tern ihren Raum und jäten Sie das Unkraut nicht.
  • Räu­men Sie das Herbst­laub nicht weg, son­dern las­sen Sie es als wert­vol­le Zuflucht und Nah­rungs­quel­le für die Tier­welt liegen.
  • Pflü­cken Sie Blü­ten und Früch­te nicht von Sträu­chern und Bäu­men, son­dern belas­sen Sie sie für die Tie­re am Ast.

Tipp #8: Kräuter als Nahrungsquelle

Kräu­ter, die wun­der­vol­le Blü­ten aus­bil­den, zie­hen Insek­ten an. Ins­be­son­de­re Bie­nen und Wild­bie­nen bevor­zu­gen Kräu­ter wie:

  • Laven­del
  • Ore­ga­no
  • Thy­mi­an
  • Sal­bei
  • Bor­retsch
  • Zitro­nen­me­lis­se
  • Ysop

Auch bestimm­te Wan­zen­ar­ten lie­ben Kräu­ter, etwa Fen­chel oder Dill.

Tipp #9: Trockenmauern als Rückzugsort für Insekten

Bau­en Sie eine deko­ra­ti­ve Tro­ckenmauer, ob frei­ste­hend oder im Rand­be­reich Ihres insek­ten­freund­li­chen Gar­tens. Dazu schich­ten Sie die Stei­ne ohne Bin­de­mit­tel über­ein­an­der. Dabei ent­ste­hen ungleich­mä­ßi­ge Zwi­schen­räu­me und Hohl­räu­me. Hier sie­deln sich Insek­ten und Klein­tie­re an. Außer­dem wach­sen hier Wildpflanzen.

Wäh­len Sie den Stand­ort der Tro­cken­mau­er so, dass im Som­mer die Son­ne dar­auf scheint. Die Stei­ne spei­chern die Wär­me und bil­den so eine gute Grund­la­ge für die Ansied­lung wär­me­lie­ben­der Insek­ten wie bestimm­te Schmet­ter­lings­ar­ten, Heu­schre­cken oder Libellen.

Tipp: Den­sel­ben Effekt errei­chen Sie mit einem ein­fa­chen Stein­hau­fen, unter dem Insek­ten einen siche­ren Rück­zugs­ort finden.

Tipp #10: Begrünte Wände

Begrü­nen Sie Wän­de in Ihrem insek­ten­freund­lich gestal­te­ten Gar­ten mit Klet­ter­pflan­zen. Es muss nicht unbe­dingt Efeu sein – auch ande­re Klet­ter­pflan­zen wie die ame­ri­ka­ni­sche Pfei­fen­win­de, die chi­ne­si­sche Klet­ter­trom­pe­te oder Gel­ber Win­ter­jas­min bil­den für die Tie­re wert­vol­len Lebens­raum und Nahrung.

Gestal­ten Sie Ihren Gar­ten insektenfreundlich

Einen Gar­ten insek­ten­freund­li­cher zu gestal­ten, muss kein umfang­rei­ches Pro­jekt sein. Schon mit klei­nen Maß­nah­men wie etwa dem Auf­tür­men von Laub­hau­fen, weni­ger Licht bei Nacht oder geplant gepflanz­ten Kräu­tern errei­chen Sie ver­bes­ser­te Lebens­be­din­gun­gen für die Tie­re und eine schüt­zen­de Umge­bung, in der sie sich ansie­deln und ihre Popu­la­ti­on ver­grö­ßern kön­nen. Nut­zen Sie doch gleich Ihre nächs­te Zeit im Gar­ten, um die ers­ten Maß­nah­men umzu­set­zen. So beu­gen Sie dem Insek­ten­ster­ben vor und leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag zum Erhalt der Arten­viel­falt.